Corona – wie sieht es in unserer Umgebung aus

Aktualisiert am 09.04.2020, 17:30

Das neuartige Corona-Virus hat unser alltägliches Leben schwer im Griff. Informationen über seine räumliche Verbreitung unterhalb der Landesebene sind nicht konsistent und lassen sich schwer einordnen. 

Das Landratsamt Fürstenfeldbruck berichtet in einer Pressemitteilung vom 07.04.2020 erstmals über Zahl der infizierten Personen in den Städten und Gemeinden des Landkreises: „Mit Stand 07.04.2020 gibt es insgesamt 612 Corona Infizierte mit Wohnsitz im Landkreis Fürstenfeldbruck.
Eine Auswertung dieser Gesamtzahl nach Gemeinden kann erst erfolgen, wenn der jeweilige Wohnsitz fest-gestellt ist. Die dem Gesundheitsamt mitgeteilten Befunde müssen daraufhin überprüft und eingepflegt wer-den. Dies ist mit Stand 07.04.2020 für 556 Fälle geschehen.“

Nach diesen Zahlen ergibt sich folgendes Bild:

Die höchsten Fallzahlen treten in Fürstenfeldbruck und in den östlichen Kommunen auf. Im westlichen Landkreis sind die Fallzahlen abgesehen von Mammedorf und Moorenweis einstellig. In Hattenhofen war kein Infizierter zu verzeichnen.

Bezogen auf die Einwohnerzahl ergibt sich ein differenziertes Bild. Die Westgemeinden Mammendorf, Moorenweis und Landsberied liegen mit Werten zwischen 400 und 518 Fälle je 100.000 Einwohnern an der Spitze. Das entspricht etwa dem Wert des Landkreises Rosenheim. Sehr niedrige Werte verzeichneten die Gemeinden Türkenfeld, Jesenwang, Adelshofen, Hattenhofen und Egenhofen. Die östlichen Kommunen bewegten sich im Mittelfeld. Den niedrigsten Wert unter den Großkommunen verzeichnete Puchheim mit 181 Fällen je 100.000 Einwohnern.

Die offizielle Internetseite des Bayerisches Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL), das die Daten auch für die bundesweite Erfassung an das Robert-Koch-Institut weitergibt, meldet Stand Donnerstag, 09.04.2020, 10:00 Uhr für den Landkreis Fürstenfeldbruck  594 Fälle.

Auf welchem Niveau wir uns im Landkreis Fürstenfeldbruck bewegen, verraten nur Zahlen mit Bezug der Fallzahlen auf die Bevölkerungszahl und der Vergleich mit Bayern- und Bundeswerten sowie mit anderen Landkreisen. Auch das LGL bietet diese Werte seit einigen Tagen an, allerdings nicht im Zeitvergleich.

Hier zeigt sich, dass die Zahl der Fälle bezogen auf 100.000 Einwohner (kumulative Inzidenz) im Landkreis Fürstenfeldbruck am Mittwoch, 08.04.2020, 10:00 Uhr mit 270,8 nach den Daten des LGL deutlich über dem bayerischen Landesdurchschnitt lag. Dieser betrug für Mittwoch 223,8. Die relative Zunahme von Mittwoch auf Donnerstag entsprach im Kreis Fürstenfeldbruck mit 5,2 % in etwa dem Landesdurchschnitt.

Die höchste kumulative Inzidenz errechnet sich am Mittwoch, 08.04.2020 für den Landkreis Tirschenreuth mit 1245,5. Dort liegt auch das Epizentrum der Corona-Krise in Bayern, die Kleinstadt Mitterteich. Aber auch die flughafennahen Landkreise Freising und Landshut bewegen sich seit langem in der Spitzengruppe. Dorthin sind in der letzten Wochen die grenznahen Landkreise Rosenheim und Miesbach vorgestoßen. In den letzten Tagen hat sich auch der Nachbarlandkreis Dachau (Donnerstag 347,0) nach vorne geschoben und liegt nun deutlich vor München Stadt und Land.

Die neu hinzu gekommenen Fälle haben am 2. April einen Höhepunkt bei 1.934 Fällen erreicht und sind seitdem wieder auf 1068 diskontinuierlich zurückgegangen.

Für die Entwicklung sind u.a. zwei Ereignisse von Bedeutung, das Skifahren bis Mitte März u.a. in Tirol und die Kommunalwahl am 15.03.2020. Im Hochrisikogebiet Tirol lag die Zahl der Fälle bezogen auf 100.000 Einwohner am Mittwoch bei 381,0. Von den dort registrierten 3008 Infizierten waren 1552 bereits genesen.

Diese Karte ist eine Überlagerung der RKI-Karte „Kumulative Inzidenz am 01.04.2020“ (Flächen) mit der Karte des BR-Recherche-Teams „Instagram-Kontakte aus Ischgl“ (Punkte).

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Die Verteilung der Corona-Infizierten bezogen auf 100.000 Einwohner nach dem Alter ist durch ein Maximum bei den 30 bis unter 60 jährigen Frauen gekennzeichnet. Die Infektionen bei den 15 bis unter 35 jährigen Männern und Frauen sind stärker aus geprägt als bei den 60 bis unter 80 jährigen.

Einen guten Überblick über die aktuelle Situation in Deutschland nach Bundesländern und Landkreisen gibt der tägliche Lagebericht des RKI zur Coronavirus-Krankheit-2019 (COVID-19) . Dabei fällt auf, dass der Süden und Westen Deutschlands wesentlich stärker betroffen sind als der Norden und Osten.

Eine Übersicht über die die Situation in den Kliniken Deutschlands gibt das DIVI Intensivregister.

Dr. Reinhold Koch