Unabhängige sprechen mit dem ehemaligen Kämmerer Emil Hausner und dem Bürgermeisterkandidaten Tobias Lexhaller
Einen illustren Kreis von etwa 50 Zuhörerinnen und Zuhörern konnte der Vorsitzende der ubp, Eduard Knödlseder, in den Puchheimer Bürgerstuben begrüßen, darunter auch Altbürgermeister Dr. Herbert Kränzlein, den Ersten Bürgermeister von Gröbenzell, Martin Schäfer und mehrere Stadträte aus Puchheim. Im Rahmen der ubp-Gesprächsreihe „Auf der gelben Bank“ gab es zu Jahresbeginn ein besonderes Schmankerl. Der ehemalige Kämmerer Emil Hausner erläuterte im Gespräch mit dem Stadtrat Max Keil und dem ehemaligen Planungsreferenten Dr. Reinhold Koch, warum in Puchheim so vieles so ist, wie es ist.
Bürgermeisterkandidat Tobias Lexhaller verglich die Entwicklung in Puchheim mit der in den Nachbargemeinden. „Um mithalten zu können und Puchheim attraktiv für Gewerbe und deren Mitarbeitende zu halten, ist es unbedingt notwendig, bei Wohnungsbau und Stadtzentrum zügiger voranzukommen“, betonte er. Moderiert wurde das Gespräch von Marianne Schuon, der Vorsitzenden des Vereins d’Buachhamer.

Emil Hausner wurde im Dezember 1935 in Greding geboren, ist also gerade 90 Jahre alt geworden. Seine Verwaltungsausbildung absolvierte er in der Gemeindeverwaltung Allershausen und wechselte 1959 nach Puchheim. Dort diente er unter den Bürgermeistern Müller, Pürkner und Dr. Kränzlein bis 1999 zuerst als Verwaltungsleiter und dann als Kämmerer.
In dieser Zeit wuchs Puchheim von etwa 3.400 Einwohnern auf knapp 20.000 Einwohner. Das waren dann 40 Jahre voller Projekte und schwieriger Haushaltsverhandlungen. Gebaut wurde vor allem dort, wo gerade Grundstücke auf den Markt kamen, eher an den Rändern der Kommune (z.B. die „Fuchsberger-Siedlung“ auf der Grenze zu Eichenau und die „Eiwo-Siedlung“ an der Grenze zu Gröbenzell) als in konzentrischen Ringen um die Stadtmitte. Zweimal ereilte die Kommune ein Baustopp, einmal wegen einer fehlenden zentralen Wasserversorgung und etwas später wegen der fehlenden Kanalisation.
Als Hausner in Puchheim begann, gab es noch kein Rathaus. Er wirkte anfangs im Keller des heutigen Bürgertreffs. Oben drüber fand Schulunterricht statt. Daneben gab es nur die alte Schule in Puchheim-Ort, keine Realschule und kein Gymnasium. Schulen, Sporteinrichtungen und Schwimmbad und das Rathaus kamen in den 70er und 80er Jahren dazu. In den Räumen der heutigen Stadtbibliothek entstand ein Feuerwehrgerätehaus. Einige Jahre später zog die Feuerwehr dann ins Gewerbegebiet-Nord um. In Puchheim-Ort lief in den 1990er Jahren die Dorferneuerung, ein Novum in einer großstadtnahen Gemeinde.
Bemühungen, das Stadtzentrum neu zu gestalten, reichen bis in die 1980er Jahre zurück. Bürgermeister Pürkner dachte an eine Stadthalle auf der Kennedywiese und wollte den Friedhof am Bahnhof in eine Grünanlage umwandeln. Dies wollte aber die Mehrheit der Bevölkerung nicht und wählte 1988 Dr. Kränzlein ins Amt des Bürgermeisters. Kränzlein forcierte den Bau des Kulturzentrums PUC an der Allinger Straße, da dort ein Deal mit dem Grundstückseigentümer eher möglich war. 2010 wollte man den Neubau von Bibliothek, Volkshochschule und Musikschule in verschiedenen Bauabschnitten verwirklichen, dann kam die Diskussion um den Erhalt des alten Schulhauses und schließlich kamen die städtebaulichen Wettbewerbe. 2020 lag ein realisierungsfähiger Entwurf mit Zeitplan und Kostenschätzung eines Architekturbüros vor. Und dann kam Corona und die Frage, können wir uns das noch leisten.
Bürgermeisterkandidat Tobias Lexhaller pflichtete Emil Hausner voll zu, dass mutige Entscheidungen vonnöten sind, um eine Stadt für die Zukunft zu rüsten. Er möchte das Stadtzentrum abschnittsweise errichten lassen. Beim Baugebiet an der Alpenstraße sei es ebenso an der Zeit, Nägel mit Köpfen zu machen. Hier wäre es ideal, durch die Nähe zu den Schulen Wohnraum für Familien und junge Leute zu schaffen. Auf dem städtischen Grundstück an der Lochhauser Straße 15 sieht Lexhaller seniorengerechte Wohnungen – nah am Bahnhof, den Ärzten und wichtigen Geschäften.
Dr. Reinhold Koch
