Der Wahlkampf in Puchheim und anderswo ist auf die Zielgerade eingebogen. Am Dienstag wurde im Schokolädchen mit und unter den Kreistagskandidaten und -kandidatinnen diskutiert:

Wer hat die Puchheimerinnen und und Puchheimer in den letzten sechs Jahren im Fürstenfeldbrucker Kreistag vertreten? Wie sehen die Chancen für die Puchheimer Kandidaten aus, ein Mandat im Kreistag zu erlangen? Welche Aufgaben hat der Kreistag? Welche Finanzmittel kontrolliert er? Und wo wird die Arbeit des Landkreises in Puchheim konkret sichtbar?
Puchheim wurde in den letzten Jahren von Norbert Seidl (SPD), Petra Weber (SPD), Max Keil (ÖDP) und Georg Huber (FW) im Kreistag vertreten. Es kommen nur also nur knapp 6 % der Kreisräte aus Puchheim, bei einem Einwohneranteil von knapp 10 %. Zitat aus einer Wahlbroschüre der Puchheimer CSU: „Wussten Sie, dass Puchheim derzeit keine echte bürgerliche Vertretung im Kreistag hat“. Nicht-CSU-ler sind demnach nicht „echt bürgerlich“.
Aber erstaunlich ist es schon, dass die Partei, die im Stadtrat die stärkste Fraktion stellt, nicht mit Puchheimern im Kreistag vertreten ist. Um in den Kreistag zu kommen, benötigt man eben einen Bekanntheitsgrad, der über das heimische Volksfest und die Stadtgrenze hinaus geht.
Der Kreistag ist das Parlament des Landkreises: Er entscheidet über Geld, Infrastruktur, soziale Aufgaben und die strategische Ausrichtung des gesamten Kreises. Die wichtigsten Aufgaben lassen sich gut in vier Bereiche gliedern:
🏛️ Gesetzliche Kernaufgaben
🧭 Steuerung und Kontrolle der Kreisverwaltung
🏥 Öffentliche Daseinsvorsorge im Landkreis
-
Krankenhäuser und Gesundheitsversorgung
-
ÖPNV und Nahverkehrsplanung
-
Berufsschulen und Förderschulen
-
Abfallwirtschaft und Recyclinghöfe
-
Kreisstraßenbau und Verkehrssicherheit
-
Jugendhilfe, Sozialhilfe, Integration
🤝 Regionale Entwicklung
-
Wirtschafts- und Strukturförderung
-
Klimaschutz- und Energieprojekte
-
Kultur- und Sportförderung
-
Katastrophenschutz und Rettungswesen
Der Landkreis muss jedes Jahr einen ausgeglichenen Haushalt vorlegen. Das Gesamtvolumen des Haushalts 2025 betrug knapp 330 Mio. €. Die Kreisumlage (ca. 54%) und die staatlichen Zuweisungen bilden dabei das finanzielle Fundament. Fördermittel und Gebühren ergänzen den Haushalt, während Kredite nur für Investitionen genutzt werden dürfen. Die Kreisumlage ist der wichtigste Finanzierungsbaustein. Sie wird von den kreisangehörigen Gemeinden an den Landkreis abgeführt und richtet sich nach deren Steuerkraft. Damit finanziert der Landkreis vor allem Pflichtaufgaben wie Jugendhilfe, Sozialhilfe oder den ÖPNV. Puchheim führt in 2026 knapp 23 Mio. € an den Landkreis ab.
Größte Haushaltsposten des Landkreises in Puchheim sind das Gymnasium und die Realschule. Der Neubau der schwarzen Turnhallen hat etwa 21 Mio. € verschlungen und sechs Jahre gedauert.
Es ist also durchaus wichtig, sich den großen Stimmzettel der Kreistagswahl genau vorzunehmen und kompetente Puchheimerinnen und Puchheim in den Kreistag zu häufeln oder zu panaschieren, dabei aber 70 Stimmen nicht zu überschreiten!
Dr. Reinhold Koch
